Nach Palworld-Streit: Neues Survivalspiel „Pickmon“ provoziert Pokémon-Fans

Nach Palworld-Streit: Neues Survivalspiel „Pickmon“ provoziert Pokémon-Fans

Auf den ersten Blick wirkt Pickmon wie ein weiterer bunter Mix aus niedlichen Kreaturen, offener Spielwelt und Survival-Mechaniken. Doch wer Palworld und natürlich Pokémon kennt, merkt schnell: Hier bedient sich ein Studio sehr offensiv bei gleich zwei bekannten Vorbildern – und verlässt sich offenbar darauf, dass juristisch wieder wenig passiert.

Ein neues Monster-Survival: Worum es in Pickmon geht

Pickmon entsteht beim Studio PocketGame und soll als Survivalspiel für den PC erscheinen. Die Grundidee klingt erst einmal vertraut: Spieler erkunden eine offene Welt, fangen Kreaturen, setzen sie im Kampf ein und nutzen sie zum Aufbau einer eigenen Basis.

  • offene Spielwelt mit Tag-Nacht-Zyklus
  • kleine Kreaturen als Begleiter und Arbeitskräfte
  • Basisbau, Ressourcenabbau und Crafting
  • Kämpfe mit den gefangenen Monstern

Im Kern kombiniert Pickmon also klassische Monster-Sammelmechaniken mit Elementen, die man aus Survivalspielen kennt: Rohstoffe farmen, Gebäude errichten, sich gegen Angriffe verteidigen. Genau hier drängt sich der Vergleich zu Palworld nahezu automatisch auf.

Der lange Schatten von Pokémon und Palworld

Schon Palworld hat bei seiner Ankündigung für heftige Diskussionen gesorgt. Der Titel bekam schnell das Etikett „Pokémon mit Waffen“ verpasst und brachte viele Fans gegen sich auf. Nintendo reagierte und leitete juristische Schritte ein, weil der Konzern klare Parallelen zu seinen eigenen Monsterdesigns und Spielideen sah.

Bislang blieb der Rechtsstreit für Nintendo relativ fruchtlos. Konkrete Ergebnisse oder Verbote für Palworld gab es nicht. Genau diese Situation wirkt jetzt wie eine Einladung für andere Studios, in eine ähnliche Richtung zu gehen – nur noch einen Tick dreister.

Pickmon wirkt wie ein Spiel, das sich denkt: Wenn Palworld durchgeht, versuchen wir es eben auch – diesmal mit einer Prise beider Vorbilder.

Optisch soll Pickmon sich deutlich an bekannten Kreaturen orientieren. In ersten Bildern tauchen Monster auf, die stark an populäre Vorlagen erinnern – etwa an feuerspeiende Drachen im Stil eines ikonischen Pokémon oder an humanoide Tierwesen, wie man sie auch aus Palworld kennt. Juristisch mag das eine Grauzone sein, emotional wirkt es für viele Fans wie die nächste Runde im großen Kopierkarussell.

Wie Pickmon versucht, Klagen zu umgehen

Der spannende Teil spielt sich hinter den Kulissen ab: An welchen Stellen das Spiel bewusst kleine Änderungen einbaut, um nicht direkt angreifbar zu sein. Denn beim Streit um Palworld zeigte sich bereits, dass reine Ähnlichkeit im Look selten reicht, um vor Gericht durchzukommen.

Der Trick mit den Karten statt Kugeln

Eines der deutlichsten Beispiele betrifft die Fangmechanik. Pokémon basiert seit Jahrzehnten auf dem Werfen von Bällen, um Monster zu fangen. Für diesen Mechanismus existieren Patente, auf die sich Nintendo berufen kann. Palworld hatte zum Start ein ähnliches System eingebaut – und strich diese Funktion später, was viele Beobachter als direkte Reaktion auf juristischen Druck einordneten.

Pickmon geht deshalb einen anderen Weg: Kreaturen sollen hier nicht mit Bällen, sondern mit Karten eingefangen werden. Spieler aktivieren also keine Wurfmechanik, sondern verwenden Sammelkarten als Fang- und Kontrollmedium.

Karten statt Kugeln – spielerisch ähnlicher Effekt, rechtlich ein Ausweichmanöver.

Ob dieser Kniff am Ende wirklich vor jedem Patentproblem schützt, bleibt offen. Aus Sicht von PocketGame und Publisher Networkgo dürfte das aber der Kern der Strategie sein: Die gleiche Fantasie bedienen, ohne direkt wie eine Kopie eines einzelnen, geschützten Systems dazustehen.

Reicht optische Ähnlichkeit für eine Klage?

Beim Fall Palworld wurde deutlich: Allein die Tatsache, dass ein Monster grob an ein anderes erinnert, reicht noch lange nicht. Gerichte prüfen, wie konkret einzelne Elemente übernommen wurden, ob Mechaniken eins zu eins nachgebaut sind und ob klare Patente verletzt werden.

Nintendo und auch Palworld-Entwickler Pocketpair könnten versuchen, gegen Pickmon vorzugehen, falls sie ihre Markenrechte verletzt sehen. Aktuell gibt es aber weder ein Releasedatum für Pickmon noch bekannte rechtliche Schritte. Solange nichts spruchreif ist, kann das Projekt weiterentwickelt werden – äußerst bequem für das beteiligte Studio.

Warum solche „Klon-Spiele“ immer mehr werden

Pickmon ist kein Einzelfall. Der Spielemarkt erlebt seit Jahren eine Welle von Projekten, die auffällig nah an großen Marken kleben. Gründe dafür gibt es gleich mehrere.

Faktor Auswirkung
Hoher Bekanntheitsgrad von Vorbildern Spieler erkennen das Prinzip sofort, Marketing wird einfacher.
Geringeres Risiko im Game-Design Studios müssen weniger experimentieren, übernehmen erprobte Systeme.
Schwierige Rechtslage Viele Klagen verlaufen im Sande, schrecken also kaum ab.
Hunger nach „mehr vom Gleichen“ Fans wollen ähnliche Erlebnisse, auch auf anderen Plattformen.

Gerade auf PC und in digitalen Stores wie Steam entstehen so etliche Titel, die sich an Trendspielen dranhängen. Monster-Survival, Farming-Sandbox, Roguelike-Deckbuilder – jede Erfolgswelle erzeugt ihre Nachahmer, manche qualitativ ordentlich, andere kaum mehr als Schnellschuss.

Grenze zwischen Inspiration und dreistem Abkupfern

Spiele, die sich inspirieren lassen, gibt es seit den frühen Arcade-Tagen. Ohne diesen Prozess wären ganze Genres nie entstanden. Die Frage, die Pickmon erneut aufwirft, lautet: Wann kippt Inspiration in plumpes Nachbauen?

Einige Faktoren, die Spieler oft kritisch sehen:

  • Monster, die in Pose, Farbgebung und Silhouette stark an bekannte Figuren erinnern
  • Mechaniken, die nicht nur ähnlich, sondern nahezu identisch umgesetzt wirken
  • Marketing, das bewusst mit Vergleichen spielt („wie Spiel X, nur mit Y“)
  • fehlende eigene Identität in Stil, Ton oder Gameplay-Ideen

Bei Pickmon treffen gleich mehrere Punkte zu: Die optische Nähe zu Kreaturen aus Pokémon und Palworld springt ins Auge, die Kombination aus Monsterjagd und Survival erinnert an ein bereits sehr präsentes Vorbild. Die einzige wirklich sichtbare Abgrenzung liegt in Details wie der Kartenfangmechanik.

Was Spieler von Pickmon realistischerweise erwarten können

Noch gibt es weder ausführliches Gameplay-Material noch ein Datum für den Release. Trotzdem lassen sich aus der bisherigen Beschreibung ein paar Erwartungen ableiten:

  • Fokus auf Solo-Survival mit Monsterbegleitern
  • starke Rolle der Kreaturen beim Basisbau – Sammeln, Arbeiten, Kämpfen
  • mögliche Mischung aus niedlichem Look und härteren Survivalanforderungen
  • PC als Startplattform, Konsolen nur als theoretische Option später

Entscheidend wird sein, ob PocketGame über die bekannte Formel hinaus eigene Ideen liefert. Neue Arten, wie Kreaturen mit der Umgebung interagieren, besondere Fortschrittssysteme oder ein interessanter Story-Rahmen könnten Pickmon von einem austauschbaren Klon zu einem tatsächlich spannenden Alternativangebot machen.

Rechtlicher Rahmen: Was Spiele kopieren dürfen – und was nicht

Viele Leser fragen sich bei solchen Fällen: Warum wird ein Spiel nicht einfach verboten, wenn es sich so ähnlich anfühlt? Die juristische Realität ist komplexer. Grundsätzlich lassen sich einzelne Ideen – „Monster fangen“, „offene Welt“, „Basisbau“ – kaum schützen. Geschützt werden konkrete Ausformulierungen: Grafiken, Namen, Logos, bestimmte Mechaniken, die durch Patente abgedeckt sind.

Deshalb arbeitet ein Projekt wie Pickmon mit kleinen Verschiebungen: gleiche Fantasie, aber minimal andere Ausführung. Aus Sicht von Markeninhabern wie Nintendo bleibt das ärgerlich, denn der Wiedererkennungswert ist trotzdem enorm. Rein rechtlich könnte er aber knapp außerhalb der verbotenen Zone liegen.

Für Spieler bedeutet das: In den kommenden Jahren dürften noch mehr Spiele erscheinen, die sich sehr bewusst an großen Marken orientieren. Wer Wert auf Originalität legt, muss stärker hinschauen, welche Studios wirklich eigene Ideen riskieren – und welche nur auf der Welle aktueller Hits mitschwimmen.

Moritz Bauer

Geschrieben von Chefredakteur

Moritz Bauer

Moritz schreibt seit 2018 für Evergreen DE über Lebensstil, Gesundheit und Verbraucher. Datengetriebener Ansatz mit zugänglichem Stil.

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