Eine neue Umfrage zum Guide Michelin sorgt für eine klare, ziemlich deftige Antwort.
Ein großer Meinungsforscher hat die Menschen im Land gefragt, welches Gericht die französische Küche am besten verkörpert. Zur Wahl standen viele Klassiker – von Raclette bis Crêpes. Am Ende setzt sich aber ein langsam geschmortes Traditionsgericht durch, das perfekt zum Bild von Rotwein, Landküche und Familienessen passt.
Wie eine Umfrage den kulinarischen Stolz sichtbar macht
Die Befragung lief online Ende Februar und Anfang März 2026. Teilgenommen haben 1.000 Menschen zwischen 18 und 75 Jahren, also ein ziemlich breites Spektrum der Bevölkerung. Die Ergebnisse zeigen vor allem eins: Die Menschen im Land sind enorm stolz auf ihre Küche.
Laut der Studie sagen 97 Prozent der Befragten, sie hätten eine gute Meinung von der eigenen Gastronomie. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 92 Prozent. Das ist in Zeiten von Lieferservices, Fertiggerichten und Dauerstress im Alltag keine Selbstverständlichkeit.
Noch spannender: Fast sieben von zehn Befragten geben an, mindestens einmal pro Woche ein traditionelles Gericht zu essen. Und rund acht von zehn kochen solche Rezepte auch selbst zu Hause nach. Die klassische Küche verschwindet also nicht in Sterne-Restaurants, sie steht nach wie vor im ganz normalen Alltag auf dem Tisch.
Traditionsgerichte bleiben Alltag: Die meisten Menschen im Land essen und kochen sie noch immer regelmäßig – nicht nur zu Feiertagen.
Die Frage der Fragen: Welches Gericht darf Frankreich weltweit vertreten?
Im Kern interessierte die Forscher aber eine sehr konkrete Frage: Wenn ein einziges Gericht die Küche des Landes im Ausland repräsentieren soll – welches wäre das?
Gemeint ist so etwas wie ein kulinarischer Botschafter. Ein Teller, den man sich in einem Pariser Bistro genauso vorstellen kann wie in einem Restaurant mit Landes-Küche in New York, Tokio oder Berlin. Er soll Region, Handwerk und Geselligkeit in einem Bild vereinen.
Gedanklich standen viele Favoriten im Raum, die auch im deutschsprachigen Raum populär sind: üppige Käsegerichte, herzhafte Eintöpfe, süße Pfannkuchen. Die Skepsis war also berechtigt, ob sich überhaupt ein klarer Favorit herauskristallisiert.
Der Sieger: Bœuf bourguignon schlägt Raclette und Crêpes deutlich
Am Ende gibt es aber einen klaren Gewinner: das klassische Bœuf bourguignon. 46 Prozent der Befragten nennen dieses Gericht als den besten Vertreter der nationalen Küche in der Welt. Damit liegt es deutlich vor allen anderen Klassikern.
Bereits 2025 stand dieses Gericht ganz oben auf der Liste, damals mit 39 Prozent. Der Trend verstärkt sich also. Das Schmorgericht, ursprünglich aus Burgund, ist längst über seine Heimatregion hinausgewachsen und wird als nationales Symbol wahrgenommen.
Bœuf bourguignon vereint alles, was viele mit der Küche des Landes verbinden: Rotwein, Zeit, Saucen, Familie – und ein bisschen Landromantik.
Warum gerade dieses Schmorgericht so gut ins Bild passt
Bœuf bourguignon besteht im Kern aus Rindfleisch, das stundenlang in Rotwein schmort, zusammen mit Gemüse, Speck und Kräutern. Die lange Garzeit sorgt für butterzartes Fleisch und eine konzentrierte, dunkle Sauce. Genau dieses Bild prägt weltweit das Klischee der Küche: man nimmt sich Zeit, kocht mit Wein, serviert im großen Topf auf dem Tisch.
Für viele symbolisiert das Gericht zugleich mehrere Elemente:
- Terroir: Der Rotwein verbindet das Essen mit einer Weinregion.
- Handwerk: Langsames Schmoren, sorgfältiges Abschmecken, kein Fast Food.
- Geselligkeit: Der Topf steht in der Mitte, alle greifen zu, es riecht nach Sonntag.
- Alltagstauglichkeit: Es wirkt bodenständig, nicht elitär oder nur für Spitzenküche.
Damit passt das Gericht erstaunlich gut zur heutigen Stimmung: Menschen wollen Genuss, aber nicht prätentiös. Sie suchen Rezepte, die machbar sind und trotzdem nach klassischer Küche schmecken.
Was das Ranking über die Essgewohnheiten verrät
Die Rangliste der meistgenannten Gerichte zeichnet ein klares Bild: Deftige, regionale Klassiker haben die Nase vorn. Keine hippen Bowls, keine Experimente, sondern Rezepte mit Geschichte.
Typischerweise tauchen in solchen Toplisten Gerichte wie diese auf:
- kräftige Schmorgerichte mit Rotwein
- hausgemachte Eintöpfe und Aufläufe aus dem Südwesten
- Cremesaucen mit Geflügel oder Kalbfleisch
- Käsegerichte für gesellige Runden
- süße Klassiker wie Pfannkuchen und Desserts, oft als Ergänzung
Die Botschaft dahinter: Wer an die nationale Küche denkt, denkt weniger an Designerteller mit drei Tupfern Sauce, sondern an Gerichte, die satt machen, wärmen und mit einem Glas Wein oder Cidre auf dem Tisch stehen.
Regionen mit besonderem Image
Die Umfrage fragte auch, welche Region als besonders gastronomisch gilt. Der Südwesten landet klar vorn, etwa die Gegend um Toulouse und die Weinregionen dort. Rund die Hälfte der Befragten sieht diese Ecke als kulinarische Hochburg.
Dahinter folgen die Region Auvergne-Rhône-Alpes mit ihren Berggerichten und Käse-Spezialitäten sowie das Elsass, bekannt für deftige Küche und Wein. Bœuf bourguignon hat seine Wurzeln zwar in Burgund, wird aber inzwischen landesweit gekocht und gilt vielen praktisch als gemeinsamer Nenner.
| Region | Image in der Umfrage |
|---|---|
| Südwesten | gilt als besonders genussorientiert, Eintöpfe, Enten- und Gänsegerichte |
| Auvergne-Rhône-Alpes | Bergküche, Käsegerichte, deftig und sättigend |
| Elsass | Mischung aus Einflüssen, Wein und herzhafter Kost |
Traditionsküche zu Hause: Wie die Menschen kochen
Bemerkenswert ist, dass die Klassiker nicht nur in Wirtshäusern und Bistros überleben. Die Mehrheit bereitet sie regelmäßig zu Hause zu. Viele greifen dabei auf Online-Rezeptseiten zurück, die in der Umfrage von gut sechs von zehn Befragten genannt werden. Fast die Hälfte verlässt sich zusätzlich auf Familienrezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Wer sonntags einen Topf Bœuf bourguignon ansetzt, kocht also nicht nur für den Magen, sondern inszeniert unbewusst ein Stück Selbstbild: So stellen sich viele die Küche ihres Landes vor – geduldig, aromatisch, gemeinschaftlich.
Ein Schmorgericht auf dem Herd wird zum Symbol dafür, wie sich ein Land selbst kulinarisch sehen will.
Was der Hype um Schmorgerichte für den deutschsprachigen Raum bedeutet
Für Leserinnen und Leser in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist dieser Trend durchaus interessant. Viele der genannten Traditionsgerichte ähneln heimischen Klassikern. Ob Rinderbraten, Gulasch oder Rinderschmorbraten: Auch hier steht in vielen Familien am Wochenende ein großer Topf im Mittelpunkt.
Wer Bœuf bourguignon nachkochen möchte, muss weder Sternekoch sein noch in einer Großstadt leben. Typische Zutaten wie Rindfleisch aus der Schulter, Wein, Karotten, Zwiebeln und Kräuter bekommt man in jedem gut sortierten Supermarkt. Wichtig sind eher Geduld und ein bisschen Planung.
Praktische Hinweise für alle, die Lust auf das „Botschafter-Gericht“ bekommen
Einige Punkte erleichtern den Einstieg:
- Zeit einplanen: Das Gericht sollte mehrere Stunden langsam schmoren. Wer morgens anfängt, isst am Abend entspannt.
- Gute Basis: Ein ordentlicher Rotwein und kräftige Fleischstücke machen den Unterschied, auch ohne Luxuspreise.
- Reste nutzen: Aufgewärmt schmeckt der Eintopf oft noch besser, eignet sich also ideal zum Vorkochen.
- Beilagen schlicht halten: Kartoffeln, Baguette oder ein einfacher Selleriepüree reichen völlig aus.
Für viele Hobbyköche eröffnet dieses Gericht auch den Zugang zu anderen Klassikern. Wer einmal verstanden hat, wie ein Schmorgericht aufgebaut ist – Anbraten, Ablöschen, Reduzieren, langsames Garen –, kann ähnliche Rezepte aus verschiedenen Regionen nachkochen.
Der Trend zur traditionellen Küche zeigt daneben noch einen weiteren Aspekt: Gute Produkte und Zeit am Herd gewinnen wieder an Bedeutung. Viele Menschen sehen darin einen Gegenpol zu Fast Food und der Hektik des Alltags. Ein großer Topf, der leise vor sich hin köchelt, bringt Ruhe in die Küche – und sorgt am Ende für ein Essen, das mehr ist als reine Nahrungsaufnahme.
